Wenn du "Barrierefreiheit" hörst, denkst du vielleicht an Checklisten zur Einhaltung von Vorschriften oder an rechtliche Risiken. Aber Barrierefreiheit ist viel mehr als das Abhaken von Kästchen. Es geht darum, sicherzustellen, dass deine Website genutzt werden kann von alle-unabhängig von ihren Fähigkeiten, Geräten oder dem Kontext.

Für Unternehmer und Website-Betreiber ist dies nicht nur eine moralische Verantwortung, sondern auch ein kluges Geschäft. Eine barrierefreie Website erreicht mehr Menschen, verbessert die Benutzerfreundlichkeit für alle Besucher und steigert sogar deine Suchmaschinenoptimierung. Und wenn du deine WordPress-Website neu aufbaust, ist Barrierefreiheit die perfekte Grundlage, auf der du aufbauen kannst.

Das Herzstück der Barrierefreiheit im Internet sind die POUR-Prinzipien, der Grundstein des WCAG-Richtlinien:

  • Perfassbar
  • Operable
  • Underbar
  • Robust

Im Folgenden werden wir die einzelnen Punkte aufschlüsseln und untersuchen, was sie für deine Website wirklich bedeuten - und wie du sie bei einer WordPress-Umstellung in der Praxis anwenden kannst.


1. Wahrnehmbar: Informationen müssen wahrnehmbar sein

Wenn die Nutzer deine Inhalte nicht wahrnehmen können, können sie deine Website nicht nutzen. Bei der Wahrnehmbarkeit geht es darum, dass die Informationen so präsentiert werden, dass die Menschen sie sehen, hören oder auf andere Weise wahrnehmen können.

Wichtige Aspekte der Wahrnehmbarkeit:

  • Textalternativen für Nicht-Text-Inhalte
    Jedes Bild, jede Infografik und jeder Button sollte einen aussagekräftigen Alt-Text haben. Ein "Jetzt kaufen"-Button zum Beispiel sollte nicht nur mit "Button" beschriftet sein, sondern auch seinen Zweck beschreiben.
  • Untertitel und Transkripte
    Videos sollten Untertitel für gehörlose oder schwerhörige Menschen enthalten. Bei reinen Audio-Inhalten sollten Transkripte vorhanden sein.
  • Farbkontrast
    Kontrastarmer Text (z. B. hellgrau auf weiß) ist ein häufiges Hindernis für Barrierefreiheit. Die WCAG empfiehlt ein Mindestkontrastverhältnis von 4,5:1 für normalen Text. Tools wie das Farbkontrast-Checker machen dies leicht überprüfbar.
  • Reaktionsfähiges Design
    Die Inhalte sollten sich problemlos an die verschiedenen Bildschirmgrößen anpassen. Jemand, der eine Lupe benutzt oder auf einem kleinen Gerät liest, sollte nie den Zugang zu den Informationen verlieren.

Beispiel aus der Praxis:
Wenn du auf deiner Website Symbole ohne Beschriftung verwendest (z. B. eine Lupe für die Suche), solltest du sicherstellen, dass sie im Hintergrund beschriftet sind, damit Screenreader sie interpretieren können.


2. Bedienbar: Die Navigation muss nutzbar sein

Es reicht nicht aus, Inhalte wahrzunehmen - du musst auch in der Lage sein, sie interagieren mit ihr. Bedienbarkeit bedeutet, dass die Nutzer/innen in der Lage sein sollten, auf deiner Website zu navigieren und sie zu steuern, unabhängig von ihrer Eingabemethode.

Wichtige Aspekte der Bedienbarkeit:

  • Zugänglichkeit der Tastatur
    Nicht jeder benutzt eine Maus. Die Nutzer sollten in der Lage sein, allein mit der Tastatur auf deiner Website zu navigieren und sich durch Menüs, Schaltflächen und Formulare zu tippen, ohne stecken zu bleiben.
  • Klare Navigationsstruktur
    Menüs, Breadcrumbs und Website-Hierarchien sollten einheitlich und intuitiv sein. Vermeide übermäßig komplexe Navigationssysteme, die die Nutzer verwirren.
  • Fristen und Unterbrechungen
    Wenn deine Website zeitabhängige Inhalte verwendet (z. B. Formulare, die ablaufen), sollten die Nutzer/innen die Möglichkeit haben, die Zeit zu verlängern oder anzupassen. Vermeide unerwartete Pop-ups oder sich automatisch drehende Karussells ohne Kontrolle.
  • Fokus Indikatoren
    Wenn Nutzerinnen und Nutzer durch deine Website navigieren, sollten sie eine sichtbare Markierung sehen, die zeigt, wo sie sich befinden. Viele Themes entfernen die Hervorhebungen aus Gründen des "sauberen Designs", aber das schadet der Barrierefreiheit.

Beispiel aus der Praxis:
Versuche, deine WordPress-Website nur mit deiner Tastatur zu navigieren. Kannst du alle Links und Schaltflächen erreichen? Wenn nicht, ist das ein Problem der Bedienbarkeit, das du bei deinem Umbau angehen solltest.


3. Verständlich: Der Inhalt muss Sinn machen

Selbst wenn die Nutzer deine Website wahrnehmen und bedienen können, werden sie sich schwer tun, wenn sie verwirrend ist. Die verständlich Im Prinzip geht es um Klarheit - damit deine Inhalte und Schnittstellen vorhersehbar und leicht zu verstehen sind.

Wichtige Aspekte der Verständlichkeit:

  • Lesbarer Text
    Verwende eine klare, einfache Sprache, wo immer es möglich ist. Vermeide Jargon, es sei denn, dein Publikum erwartet ihn wirklich. Gliedere den Text in kurze Absätze und verwende Überschriften zur Strukturierung.
  • Konsistente Navigation und Design
    Achte darauf, dass die Menüs, Schaltflächen und Layouts auf deiner Website einheitlich sind. Ein "Kontakt"-Link sollte immer an dieselbe Stelle führen und sich nicht je nach Seite ändern.
  • Fehlerbehandlung
    Formulare sollten klare Fehlermeldungen ("Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein") anstelle von vagen Warnungen ("Eingabe ungültig") enthalten. Hebe Felder hervor, die korrigiert werden müssen.
  • Vorhersehbarkeit
    Überrasche die Nutzer nicht mit unerwarteten Aktionen. Spiele zum Beispiel keine Videos automatisch ab oder ändere eine Seite drastisch, ohne einen klaren Hinweis zu geben.

Beispiel aus der Praxis:
Wenn ein Nutzer auf einem Kassenformular vergisst, seine Telefonnummer einzugeben, sollte die Website höflich darauf hinweisen: "Bitte gib deine Telefonnummer an, damit wir deine Bestellung bestätigen können." Das ist eine verständliche Kommunikation.


4. Robust: Inhalte müssen auf allen Geräten und mit allen Hilfsmitteln funktionieren

Das Internet verändert sich schnell. Eine robuste Website ist eine, die heute zuverlässig funktioniert - und auch morgen noch - über verschiedene Browser, Geräte und Hilfstechnologien hinweg.

Wichtige Aspekte der Robustheit:

  • Sauberes, semantisches HTML
    Verwende die richtigen Tags (<h1> für Überschriften,
  • Kompatibilität mit Hilfsmitteln
    Bildschirmlesegeräte, Braillezeilen und Sprachnavigation sollten alle in der Lage sein, deine Website zu interpretieren. Teste wann immer möglich mit echten Hilfsmitteln.
  • Modernste Technologien
    Vermeide veralteten Code, Plugins oder Themes, die möglicherweise nicht mit modernen Browsern oder Barrierefreiheitsstandards kompatibel sind.
  • Progressive Verbesserung
    Deine Website sollte auch dann nutzbar sein, wenn einige Skripte oder Stile nicht geladen werden. Formulare sollten zum Beispiel auch ohne JavaScript funktionieren.

Beispiel aus der Praxis:
Anstatt einen "falschen" Button mit einem gestylten <div>verwenden Sie eine aktuelle